Diagnostik

Die Hypomanien nehmen Ärzte oft nicht zur Kenntnis, oder sie erfahren in der meist kurzen Anamnese nichts davon, so dass Bipolare Störungen dann nicht angemessen behandelt werden. Oft werden ebenfalls nicht einmal Depressionen erkannt. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch unter Ärzten sind die Symptome manisch-depressiver Krankheiten immer noch sehr wenig bekannt, obwohl viele – in Deutschland mindestens 2 Millionen Menschen – von bipolaren Störungen betroffen sind.

Obwohl die bipolare affektive Störung weit verbreitet und eine sehr ernste Krankheit ist, sind Informationen darüber in der Öffentlichkeit bis jetzt eher selten. Auch Allgemeinmediziner übersehen oft die Anzeichen dieser Krankheit. Für eine lange Anamnese steht ihnen auch meist nicht genügend Zeit zur Verfügung.

Nur ein geringer Teil aller bipolar Erkrankten wird derzeit korrekt diagnostiziert (Grunze & Severus 2005).

Folgende Hürden erschweren eine Diagnose:


30 % Mischzustand: Lediglich knapp die Hälfte aller Manien ist entgegen weit verbreiteter Ansicht und Darstellung durch Euphorie („himmelhoch-jauchzend“) gekennzeichnet. Oft gehen gleichzeitig depressive Symptome mit einher, die letztlich (zu 40 %) in einen Mischzustand münden können. Wenn diese Mischsymptomatik nicht als solche erkannt wird, kommt es schnell zu Fehldiagnosen.
Verbreitete Beschreibungen nennen finanziellen Ruin, Bedenkenlosigkeit bei Trennungen und Wahn bei Manien als typische Elemente, so dass Manien, die diese Phänomene nicht aufweisen, nicht als solche wahrgenommen werden.
In der Manie kommt es vielfach zu exzessivem Alkohol- oder Drogenkonsum, so dass eine bipolare Störung vorschnell als Alkohol- oder Drogenabhängigkeit eingeordnet wird.
Wenn Suchtkrankheiten als Komorbidität vorkommen, besteht eine erhöhte Gefahr, dass die Grunderkrankung verschleiert wird.
Depression: Eine „rezidivierende unipolare Depression“ ist die häufigste Fehldiagnose bei bipolaren Störungen. Dies kommt daher, weil hypomane Phasen meist nicht als solche erkannt, berichtet oder erfragt werden.
ADHD: Bei Kindern und Jugendlichen ist die Abgrenzung zur „Attentional Deficit Hyperactivity Disorder“ (ADHD) schwierig.
Schizophrenie: Psychotische Symptome, die bei schweren Manien auf deren Höhepunkt vorkommen können, führen oft zur Fehldiagnose einer Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Störung.

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